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Christliche Wohngemeinschaft auf dem Campus Kartause: Charlotte Horn über spirituelle Verbundenheit und den Mut zum Neuanfang

Es gibt bereits Interessierte für das neue gemeinschaftliche Wohnprojekt auf dem Campus Kartause – eine christliche Wohngemeinschaft, die sich an der Vision der ökumenischen Community of Iona orientiert. Das Wohnprojekt wird Anfang 2027 bezugsfertig sein; in naher Zukunft können die ersten Mietverträge geschlossen werden. Pfarrerin Charlotte Horn ist Leiterin der Evangelischen TelefonSeelsorge Köln und spricht im Interview über ihre Rolle als Moderatorin, eigene Gemeinschaftserfahrungen und die Vision eines Zusammenlebens im Geiste von Iona.

Frau Horn, Sie begleiten als Moderatorin die ersten Begegnungen zwischen Menschen, die sich für die christliche Wohngemeinschaft auf dem Campus Kartause interessieren. Wie kann man sich diese Treffen vorstellen – und was macht sie besonders?

Charlotte Horn: Gemeinschaft, zumal eine, die auch spirituell ausgerichtet ist, will ja ein Raum für Beheimatung, für individuelle und gemeinschaftliche Entfaltung und den praktischen Einsatz für andere sein. In einer Zeit zunehmender Vereinzelung hat gemeinschaftliches Wohnen verändernde Kraft. Es geht darum, miteinander in Solidarität und Verbundenheit zu leben.

Ein solches tragendes Leben entsteht nicht von allein. Gemeinschaft ist ein offener Prozess. Und die Grundlagen werden bereits lange vor dem Einzug in die neuen Räume gelegt: bei unseren vorbereitenden Treffen und auch bei Ausflügen und Unternehmungen, die die Mitglieder auf eigene Initiative planen.

Bei den Gruppenabenden ist es meine Rolle, die Einzelnen bei ihrer Entscheidungsfindung zu unterstützen und Prozesse der Gemeinschaftsbildung anzuregen und zu begleiten. Hierbei greifen wir auf Erfahrungen unterschiedlicher – religiöser wie nichtreligiöser – Gemeinschaften zurück, die in den letzten Jahrzehnten einen reichen Schatz an systematischen Grundlagen und erprobten Methoden entwickelt und zusammengetragen haben. Sie dienen uns als Kompass, um die verschiedenen Aspekte des Zusammenlebens zu beleuchten. Das Besondere ist, dass wir manches davon schon bei unseren Treffen wie in einer Art „Labor“ ausprobieren, erleben und dann gemeinsam reflektieren.

Sie bringen jahrelange Erfahrung im Zuhören und im Begleiten von Menschen mit. Was begeistert Sie persönlich an der Idee dieser Wohngemeinschaft – und was erleben Sie in den Gesprächen mit den Interessierten?

Charlotte Horn: Neben meinen Erfahrungen in Seelsorge und Bildungsarbeit bringe ich auch einen biographischen Zugang mit: vor wenigen Jahren habe ich selber intensiv am Aufbau einer kleinen Gemeinschaft mitgewirkt und dort einige Zeit gelebt. Wo es passt, bringe ich diese Erfahrungen in den aktuellen Prozess mit ein. Ich habe selber erlebt, dass Gemeinschaft eine intensive persönliche Weiterentwicklung ermöglicht; man kommt unweigerlich an eigene „Baustellen“, die bearbeitet sein wollen und erlebt vieles im Alltag intensiver. Ein Wachstumsprozess wird angeregt, der uns miteinander lebendig hält.

Und Gemeinschaft trägt! Meine Zeit in dem Wohnprojekt fiel zufällig in die Coronazeit, die ich trotz aller Isolierung im öffentlichen Raum privat daher in großer Verbundenheit gelebt und überstanden habe.

Schon bei den ersten Treffen mit den Interessierten ist für mich spürbar: das Herz, die Essenz des Projekts zu finden und zu formulieren, ist ein individueller, ein gruppendynamischer und ebenso ein geistlicher Prozess. In geistlicher Hinsicht erinnert er an das Jesus-Wort: 

 …  wenn das Weizenkorn in die Erde fällt und stirbt, bringt es viel Frucht. (Markus 4).

So sind die Vorstellungen von Gemeinschaft, die die Einzelnen mitbringen, die Körner, die eingebracht werden und die sich in eine blühende gemeinsame Vision wandeln können. Hingabe und Auferstehung, wenn Sie so wollen.

Die künftige geistliche Kommunität will sich inspirieren lassen von der Vision der ökumenischen Community of Iona (Schottland). Das bedeutet, gemeinsam die Sehnsucht nach Gerechtigkeit, Frieden und erneuerter Achtung vor der Schöpfung Gestalt werden zu lassen. Eine solche Gemeinschaft kann hineinwirken in den Campus Kartause, in die Kölner Südstadt, in die „Welt“ hinaus. Dass all das auf dem Boden der mittelalterlichen Kartause, einem Schweigeorden, entstehen soll, empfinde ich als besonderen Schatz. Es liegt nahe, dass künftig das Element der Stille, der Kontemplation hier wieder einen Platz haben wird, stelle ich mir vor.

Gemeinschaft entsteht, wenn Menschen offen aufeinander zugehen. Welche Chancen sehen Sie für Menschen, die sich auf dieses Abenteuer einlassen – und was würden Sie jemandem sagen, der noch überlegt, ob das Projekt zu ihm oder ihr passt?

Charlotte Horn: Jemandem, der sich mit der Grundidee identifiziert, aber noch zögert, würde ich raten, einfach dazuzukommen und sich ein Bild zu machen. Die Kommunität ist ja noch im Aufbau. Und so hat die Gruppe große Gestaltungsfreiheit und die Einzelnen können sich sehr persönlich in den Prozess einbringen. Einige Eckdaten stehen: die Ausrichtung im Geiste von Iona, nach dem Einzug ein wöchentliches Treffen der Kommunität, eine wenigstens dreijährige Wohnzeit.

Wie das konkrete Zusammenleben aussieht, entwickelt die Gruppe erst nach und nach. Die Mitglieder verständigen sich in Prozessen, die ich moderiere, über persönliche Erwartungen und gemeinsame Werte und wie sie ihren Alltag und das geistliche Leben konkret gestalten werden.

Wer sich selber gegenüber achtsam ist, wer authentisch in Kontakt zu den andern geht, wer Konflikte nicht scheut, sondern als Chance für persönliches Wachstum sieht, wer wertschätzend kommuniziert, trägt zum Gelingen einer solchen Gemeinschaft Wesentliches bei. An dieser Bewusstheit arbeiten wir bei den Gruppentreffen. Sie ist die Grundlage für alles Weitere.

Und ja, es gehört auch Mut dazu, sich auf das Abenteuer einzulassen, klar! So wie bei allem, was wir neu beginnen.

Text: Charlotte Horn/APK
Foto(s): Archiv-APK

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